Montag, 25. Januar 2010

26. Annas Jugendgeschichte

 .
 Der närrische Mandel

     Unser Hausherr, Lebzelter Mandel, war ein besonderer Kauz. Die Realität samt Gewerbe und ein Haus in der Stadt am Hauptplatze besteht seit langer Zeit als Fidei Comiss. Ehe ich daselbst einzog, war ein Bruder des Bindermeisters Rucker, der Elefanten-Wirtin Plackel und der Zahnarztensgattin Staminger, auf dem Fidei-Commiss-Gute, wurde aber durch die Ränke dieser drei zärtlichen Schwestern zu Gunsten eines jungen, aufbrausenden und in der Fremde befindlichen Mandel auf dem Prozesswege vertrieben. Dieser Josef Mandel hatte bei seiner Rückkunft sogleich das Fidei Commiss Besitz- und Genussrecht übernommen, ohne den vorigen, alten Mandel das Warenlager abzulösen. Am Allerheiligentage richtete dieser vor dem Friedhofe einen Stand auf, um dort den Wachs- und Lebzeltervorrat zu verkaufen. Da kam der wutschnaubende neue Mandel, warf den Verkaufsstand um und zertrat alle am Boden liegenden Gegenstände, und der alte Mandel hatte kein Vermögen, um im Klagewege auf Entschädigung zu drängen.



     (65) Er übersiedelte dann nach Wien und übernahm nächst der Paulanerkirche eine Greisslerei. Wenn ich zufällig dringende Arbeit hatte, so musste ich auf herrischen Befehl dieses tollen Sturmjackls Mandel in Gesellschaft mehrerer anderer mitfahren und an seinen oftmaligen schwelgerischen Gelagen in der Schönau, in Baierdorf oder in seinem Vorratskeller auf seine Kosten mitmachen, wo ich viel lieber zu Hause bei der Arbeit geblieben wäre, denn mich hatte es nie zu Saufgelagen gelüstet.


     Dieser närrische Mandel hatte vom Büchsenmacher Schreiber in der Feuerbachgasse die hübsche und jüngste Tochter, eine überspannte und durch Romane Lesen übergeschnappte, fade Nocken, geheiratet und 800 Gulden Mitgift als Versprechen erhalten. Herr Schreiber war aber so vorsichtig, kein Geld herzugeben, da mutmasslich bei Mandels tollem Treiben die junge Gattin dem Vater zur Verpflegung anheimgefallen wäre. Ich hatte für die Mandels nebst Binderarbeiten bald Transparente zu machen, bald etwas zu schreiben und zu malen. Er war ordentlich aufgebracht, dass er nichts darauf zu zahlen hatte, wenn ich zur Begleichung des vierteljährigen Mietzinses per 15 Gulden conv. Münze von meinem dick geschriebenen Konto vorlegte. Wollte man alle Narrheiten des Tollkopfs Mandel zu Papier bringen, so könnte ein daumendickes Buch entstehen.

     Die liederliche Wirtschaft bei ihm dauerte drei Jahre, dann kam alles unter Sequester. Mandel erhielt für seine Person volle Verpflegung und als Rekration täglich 20 Kreuzer. Da quälte er oft den Sequester auch um einen Silberzwanziger für morgen, und verputzte sogleich noch alles. Die Gattin kam zu ihrem Vater zurück und die zwei Kinder lebten zum Glücke nicht mehr.



Annas Jugendgeschichte

     Jetzt erst komme ich dazu, die Jugendgeschichte meiner lieben Frau, welche sie mir treuherzig erzählte, aufzuzeichnen.


     Sie kam, dreizehn Jahre alt, zur verheirateten Schwester Theres Plank in das alte Schloss Deutschlandsberg und musste dort alle Garten- und Feldarbeit mitmachen, sowie auch Kühe und Schweine füttern. Sie wuchs beim ländlichen Mahle und in frischer Luft kräftig heran und war gesund und lustig. Nach vier Jahren kam von Graz die Stiftsdame, Fräulein von Sailer, welche in Deutschlandsbeg beim vulgo Bruckenschuster eine Wohnung mietete und dann Verlangen trug nach einem gemütlichen Mädchen, (66) teils als Bedienerin und teils als Gesellschafterin. Da fiel ihre Wahl auf die kerngesunde Anna Knölly.

     Fräulein von Sailer hatte grösste Zuneigung zu diesem talentvollen Naturkinde. Sie  lehrte sie alle feinen Arbeiten, weissnähen, sticken, dann stricken und spinnen. Dann konnte Anna auf Kosten des Fräuleins in Graz auch das feine Kochen lernen. Wenn die Dame zum Besuche ihrer alten Freundinnen, Baronin Rothkirch und Hofratswitwe von Moshart nach Graz kamen, so nahm sie die Anna überall mit, bei welcher Gelegenheit sie sich auch ein vornehmes Benehmen aneignete.

     Als sie dann wieder nach Deutschlandsberg kam, verliebte sich der dortige Steuereinnehmer Bernhard Edler von Mangold in sie, und sie sich in ihn. Daraus entstand ein zartes Liebesverhältnis. Er hatte als Adeliger freien Zutritt zur Stiftsdame und weil er täglich auf die ErLangung der ihm versprochenen Rentmeistersstelle bei der Fürstlich Lichtensteinischen Herrschaft Riegersburg wartete, machte er der Anna einen förmlichen Heiratsantrag. Sie konnte ja bei ihrem noblen Benehmen und allen Kenntnissen wirklich eine vornehme Frau darstellen.

     Jedoch wurde unversehens in den Kassen Revision vorgenommen und ein bedeutendes Defizit entdeckt. Infolgedessen wurde Mangold verhaftet und nach einigen Monaten aus besonderer Gnade zum Gerichtsdiener in Leoben degradiert. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung wurde eine Schublade voll kleiner und grosser Lotteriezettel gefunden.


     Die arme, um ihr erhofftes Glück unschuldig gekommene Anna ging in Scham und Verzweiflung von der gütigsten der Damen fort zu ihre Onkel, dem Überfuhrbesitzer in Sauritsch, namens Maister. Dieser verhalf ihr zu einem Dienst bei einem reichen, pensionierten Staatsbeamten, Coradi in Friedau, der drei schöne erwachsene Töchter hatte, welche die Anna sehr zärtlich wie eine Schwester behandelten. Herr Coradi selbst war von ihrem himmlischen Wesen so bezaubert, dass er ihr im grössten Ernste einen Heiratsantrag machte. Aber Anna konnte es in ihrer Sanftmut nicht übers Herz bringen, den drei Mädchen, die bereits älter waren als sie, eine Stiefmutter abzugeben.

     Die Älteste der drei ehelichte den dortigen reichen Lederer Steinkowitsch und nahm die gute Anna mit sich. Da in diesem Hause lauter windische Dienstboten waren, lernte sie dort die slowenische Sprache, die ihr in der Folge sehr zu statten kam.

     (67) Nach einigen Jahren war sie Köchin bei den Grafen Bathiany und Mazuschelle in Graz. Von jedem Kammerdiener dieser Herrschaften wurde sie mit Heiratsanträgen überschüttet. In Friedau wollte sie auch der Sattlergeselle Kapmaier, welcher sein Vaterhaus zu Dreifaltigkeit in Windischbüheln zu übernehmen hatte, zur Gattin haben. Ebenso auch der Fleischerssohn Göbl in Stainz. Ein Lehrer in Landsberg und ein Lehrer in Trahütten, hoch im Gebirge, waren von Anna ebenfalls hochbegeistert.

     In Graz kam sie zum Fürsten Rosenberg auf der Herrschaft Freudenau, wo auch wieder der Kammerdiener Bernhard Taupe in Liebe gegen sie entbrannte. Nachdem sie dann dort, von heftigem Fieber geplagt, sich zur verehelichten Schwester Constanze Grimmer zu St. Andrä im Lavanttale wegen Luftveränderung und Erholung begab, wurde sie daselbst mit der Karoline Rohrau, Tochter des dortigen k. u. k. Pflegersadministrator recht innig befreundet.

     Als beide Mädchen in der Kirche nebeneinander sassen, bemerkte Anna, dass Fräulein Rohrau statt des Gebetbuches Lessings 'Natan, der Weise' vor sich hatte und andächtig darin las. Auf die Vorstellung der Anna, dass weltliche Bücher doch nicht in die Kirche gehören, erwiderte Fräulein Rohrau, dass es ihr unmöglich sei, ein Gebetbuch in die Hand zu nehmen, seitdem sie 'Natan, der Weise' gelesen habe.

     In St. Andrä waren besonders zwei Beamte und ein Schneidermeister, welche ausserordentlich in die Anna verliebt waren, obwohl sie von der Krankheit noch immer sehr bleich und matt aussah. Sie bezeigten ihr die grösste Ehrfurcht und begehrten sie wegen ihres Liebreizes zur Lebensgefährtin. Sie aber blieb fest an ihrem Vorsatze, in keine Liebelei mehr einzugehen, da ihr das erste Heiratsprojekt mit Mangold verunglückte.

     Als sie dann 1829, noch bleich und doch voll Grazie und Liebreiz, zu ihren Eltern nach Graz kam, war es kein Wunder, dass ich als ihr dreizehnter Verehrer sterblich in sie verliebt wurde.
.

Samstag, 23. Januar 2010

25. Der Rucker, der Fledersbacher und die Tante Theresa


     Das Eisenhandlungshaus Gamilscheks Erben benötigte von meinem Lehrmeister Rucker sehr viele Fässer von weichem Holze zum Verpacken von Sensen, Sicheln und sonstigen kleinen Eisenwaren. Da ich dort ohnehin sehr gut bekannt war, so ersuchte ich den Handlungschef, Herrn Hochegger, auch von mir eine Ladung Fässer zu kaufen. Auf diese Zusicherung sagte er, ich soll mit einer Fuhre um 6 Uhr früh kommen, damit Herr Rucker, welcher täglich um 7 Uhr früh dort vorsprach, nichts davon wahrnehmen könne. Als ich anderstags schon um halb 6 Uhr früh dahin kam mit einer grossen Ladung Packfässer, kam zufällig auch Herr Rucker und wurde sehr zornig, wie ich so viele Fässer vom Wagen herabnahm. Er gebärdete sich wie wahnsinnig und schrie, er könne nicht Kapauner spendieren wie ich ... und trollte sich in grösster Aufregung fort.

     Hochegger wollte wissen, was denn der Rucker mit den Kapaunern gemeint habe. So erzählte ich ihm, dass ihm meine Eltern während meiner Lehrzeit manches Geflügel gratis überlassen haben. Hochegger lachte und sagte: «Da hat ja nur der Rucker die Kapauner gegessen, nicht wir.»

     Am nämlichen Tage musste Rucker mit dessen Schwager Kajetan Plachl, damaliger Eigentümer der grossen Realität Puntigam dahin fahren, um die in den dortigen Kellern befindlichen grossen Fässer in Reparatur zu nehmen. Der Zorn über mich war dem Rucker noch nicht vergangen, er meinte, ihn durch mehrere Fässer Wein zu dämpfen, zog sich aber eine heftige Lungenentzündung zu, und nach wenigen Tagen war er eine Leiche. Dessen Witwe gab mir die Schuld an seinem Tode. Hätter er aber auf den Zorn nicht so viel Wein genossen, sondern frisches Wasser, wäre es für ihn besser gewesen.

     (63) Nach einiger Zeit kam der erwähnte Geselle Fledersbacher, welcher nach meinem Weggehen vom Schwarzen Tor in Wien meine Stelle als Kellermeister übernommen hatte, nach Graz und nahm auf einige Wochen bei mir Arbeit. Auf einmal wurde dieser, seit neun Jahren Rekrutierungsflüchtling, erhascht, und wurde zur Strafe statt auf 14 Jahre, auf 18 Jahre, und noch dazu zum Fuhrwesen assentiert. Seine hübsche und geläufige Handschrift und sein solides Wesen trugen dazu bei, dass er bald Korporal wurde.


     Als er einst von einem Transport nach Innsbruck zurück kam, zeigte er mir eine silberne und eine goldene Sackuhr, die er sich auf dem Transporte verdient habe. Mir fiel es aber nicht ein, zu fragen, auf welche Weise ihm dies Ersparnis gelungen sei. Mir fiel es überhaupt nicht ein, einen Nebenverdienst zu ermitteln, wenn die Fassbinderei schlecht ginge, obwohl ich die 13 grossen Fässer á 50 Eimer für den Baron Mandell beim Meister Sorger auf der Lend gesehen habe, und ein Geselle von ihm, ein Pastor, guter Sänger und Guitarspieler, auf jedem Fasse einen Apostel und auf dem dreizehnten die Legende vom Heiligen Eustachius zierlich und kunstvoll schnitzelte.


     Als die Tante Theresa in Wien meine Vermählung mit einer Armen erfuhr, konnte sie es nicht unterlassen, uns zu kränken. Sie übersandte als Brautgeschenk für meine Frau ein Paar Schuhe aus Stroh, mit dem Bemerken, diese wären gut genug für ein Bettelkind. Die Wiener Putzmacherin Fels spendierte eine sogenannte Krachtorte, da es im Ehestande gar viele harte Nüsse zum Aufbeissen gäbe. Als meine liebe, gutherzige Frau den Schmerz wegen der Strohschuhe überwunden hatte, schrieb sie der Tante einen zum Herzen dringenden Brief, worüber diese sehr viel weinte, und in einem darauf folgenden Schreiben innigst um Verzeihung bat. Beide Frauen wurden nachträglich die besten Freundinnen.

     Etwas später fällt mir ein, dass ich in den Fensterbalken meiner Werkstätte kleine, unbemerkte Löcher bohrte, durch welche ich und der erwähnte Zeidlmaier in der Zeit, als wir uns mit den zwei liebenswürdigen Schwestern Anna und Maria Knölly freundnachbarlich unterhielten, so gerne diese Herzensköniginnen betrachteten, wenn beide emsig am Fenster bei der Arbeit sassen.

     (64) So viel ich mir Mühe gab, grosse Kundschaften zu erwerben und eine namhafte Tätigkeit zu entfalten, somit mehr Einkommmen zu erzielen, wollte es mir doch nicht gelingen. Die kleinen Beschäftigungen reichten zur Bestreitung aller Ausgaben nicht hin; wir mussten uns grossartig einschränken und traurig zusehen, wenn sich sonntags alles unterhielt und wir kaum einen Groschen bar in der Tasche hatten. Zum Glück war meine liebe Gattin sehr anspruchslos und genügsam, befasste sich mit Sticken und Kleidermachen und ertrug das harte Geschick mit Geduld und Ergebung.


Als Kaiser Ferdinand als König von Ungarn in Pressburg gekrönt werden sollte, mietete eine vornehme Grazer Dame dort zwei Fenster, um den Krönungzug zu sehen und bestellte bei meiner Holden zwei Fensterpolster mit leichter Stickerei. Um diese rechtzeitig fertig zu bringen, half ich mit am Stickrahmen, meiner Frau gegenüber, emsig mit.

     Die benachbarte Schlossermeistersgattin Lerch war ebenso fleissig am Spinnrade, und beide Frauen hatten gemeinschaftlich die Leinwand auf der Wiese am Mühlbache nächst der Rösslmühle abwechselnd gebleicht.
.

Freitag, 22. Januar 2010

24. Mein Schutzgeist und mein Alles

     Ein gutes Zeichen war es auch, dass unsere Hände mit der von Anna gestickten Stola auf ewig verbunden wurden. Nun war die überseelige Braut mein, und sie wurde mein Schutzgeist, mein Alles. Ich hatte mich nie mit der Lotterie abgegeben, habe aber doch den grössten Terno gemacht. Beim Anfange des Balles tanzten wir viel, als aber der Saal zu voll wurde, konnten wir von der Tafel aus nur Zuschauer abgeben.


     Pepi Beinholz und Anna Pilz waren auch bei der Kopulation in der Kirche, und erstere sagte nur zur zweiten: «Wenn es mir beschaffen ist, bekomme ich ihn noch!» Sie war vielleicht der Meinung, ich würde noch am Altare zurücktreten. Doch die Neuvermählten hatten sich am Altare ewige Treue, unverbrüchliche Liebe geschworen. Weil Mathias Pilz einer unserer Brautführer war, kam dessen Schwester, Anna Pilz, aus Neugierde zu diesem Feste und tanzte unbändig.


     Meine Anna hatte das Eigene, dass ihr liebes Gesicht stets mit einem Glorienschein umgeben war und dass es bei Kerzenlichte immer herrlicher strahlte. (61) Wenn ich allein durch einen Saal schritt, hörte ich mehrseitig vom Publikum die mich entzückenden Worte: «Oh, die schöne Braut!»

     Um 2 Uhr nachts kehrten wir nach Hause. Als ich nach einigen Tagen des Wirtes Forderung von 30 Gulden berichtigen wollte, wurde dieselbe nach vielen Hin- und Herreden mit 25 Gulden conv. Münze beglichen. Um nun zu unseren Nahrungsorgen etwas beizusteuern, ging meine Frau zum Kaplan Kukenschinig und ersuchte ihn, den Conto mit 14 Gulden, 24 Kreuzer für die ihm gelieferten Arbeiten zu begleichen. Er aber stemmte seine Hände in die Seite und sagte: «Wie können Sie sich unterstehen, von einem Geistlichen etwas zu verlangen?» Und da er sich zu keiner Bezahlung herbeiliess, kam unsere Vermählung sehr teuer, indem auch beim Pfarrer in St. Andrä die Kopuliertaxe erlegt werden musste. Bisher hatten mir meine Eltern die Kost gratis ins Haus geschickt; nun hatte ich selbst darum zu sorgen. War für mich, dann für den Gesellen genug Arbeit vorhanden, so ersah ich das nötige Auskommen. Genügende Arbeit war jedoch nicht immer vorhanden.Mir fehlte die Rednergabe; wenn ich mir grössere Kunden erwerben wollte, sagte jeder, er habe ehedem seinen Binder und sei mit ihm zufrieden.

     Als ich mit meiner Ehegattin und mit meiner Mutter einst im Gastgarten des Apostelsaales war, befand sich dort auch die Ehefrau eines Obermühl-Jungen, Wiesler. Diese bemerkte unsere gegenseitige innige Zuneigung und sprach zu meiner Mutter: «Das liebe Ehepaar schaut so stillvergnügt und selig drein, und ahnen nicht, welche Leiden und Widerwärtigkeiten oft im Ehestande vorkommen». Meine Mutter tröstete mich, dass meine Frau nicht viele Kinder bekommen werde, da sie dazu schon zu alt sei.


     Ich lernte nun erst den echten Wert einer anspruchlosen, genügsamen, häuslich gestimmten Frau kennen. Wir erhielten als Bettgeher in volle Verpflegung einen Sohn des Schuhmachermeisters Brandstätter von Voitsberg und den unehelichen Sohn einer Müllersmagd Finster bei St. Florian, dann die Bauernsöhne Super und Klement aus Gussendorf. Alle vier waren hier im Gymnasium.

     (62) Meine Frau war nun kerngesund, nahm an Körperfülle zu, hatte eine volle, junoische Gestalt, von der ich entzückt war. Früh vier Uhr war sie schon beim Spinnrade emsig beschäftigt, brachte so viel Leinwand als wir selbst benötigten zusammen, von einem Pfund Flachs vier Ellen á vier Gulden Wiener Währung, die Ellen zu 40 Gulden conv. Münze. Anton Finster wurde Bezirksgericht-Adjunkt und der Josef Brandstätter Techniker.
.

Montag, 18. Januar 2010

23. Doch lieber eine Reiche - Die Kopulation

   In der Lazarettgasse zu Graz war ein grosser Gast- und Einkehrgasthof für Landfuhrwerker. Im ersten Stock war ein grosser, ausser dem Redoutensaale der grösste Saal in Graz, unter dem Namen Apostel-Saal, wo sehr oft Tanzmusik abgehalten wurde.

     Ich hatte sogar den Mut, bei den Eltern meiner herrlichen Nachbarin um Erlaubnis zu bitten, diese am 15. November 1829 in den vorerwähnten Saal zum Balle führen zu dürfen, und erlangte die Bewilligung von den Alten erst nach langem Für und Wider.


Welche nie empfundene Wonne durchbebte elektrisch alle meine Nerven, als ich die Überselige um die schlanke Taille fasste und mit ihr in himmlischem Entzücken im Tanzsaale dahinschwebte. Ich fühlte beim Berühren ihrer Hand und bei Wahrnehmen ihres überaus würzigen Atems die grösste Seligkeit. Wir unterhielten uns bis zwei Uhr früh sehr gut. Unsere Gespräche waren mindeste Andeutung von Liebe, bloss freundschaftlich-nachbarlich. Aber bei Ankunft an ihrer Wohnung wurden herzliche Küsse gewechselt, welche mich bestimmten, ihren Besitz als mein grösstes Glück zu betrachten. Uns unsere nachbarliche Freundschaft, bei welcher ich dieses holden Engels sanfte Gemütsart, ihre schöne Seele und ihr aufrichtiges, zartfühlendes Herz, dann ihren reifen Verstand kennenlernte, machte mir unendliche Freude. So kam ich zu dem festen Entschlusse, dass ich durch den Umgang mit dieser Unvergleichlichen und ihrem überlegenen Geiste mich bilden und erst durch ihre Hand wahrhaftig glücklich werden könnte.

     (57a)  Am Frauentage, 8. Dezember 1829, leitete ich beim Besuche bei meinen Eltern das Gespräch auf meine Verhältnisse, dass ich nämlich als Bürger und Meister wirklich eine Frau zur Wirtschaftsführung benötige, es mir aber sehr schwer fällt, eine pekuniär vorteilhafte Wahl zu treffen. Endlich platzte ich mit meinem Geheimnisse heraus, dass ich den wahren Gegenstand meiner Wahl und meines Herzens in der Person der ganz unbemittelten und meinen Eltern unbekannten Anna Knölly gefunden hätte.


     Mein Vater sagte:
«Du bist gescheiter als ich,
und du wirst wissen,
was du zu tun hast.»

     Doch die Mutter und die Schwestern kamen mit einem Donnerwetter über mich, in punkto der Armut. «Es wäre doch vernünftiger», sagte die Mutter, «du nimmst eine mit ein paar tausend Gulden, denn was man heiratet, darf man nicht erwirtschaften. Bettest dich gut, liegst auch gut! Nimmst eine ohne Vermögen, so bleibst dein Lebtag ein Märtyrer, der bei angestrengter Arbeit mit genauer Not sein kummervolles Dasein durchkrautern muss. Es wäre dir und uns allen eine Schande, wenn du dich mit einer armen Familie verbindest. Lass dir die verliebten Grillen vergehen und trachte, durch eine Verbindung aus dem angesehenen Bürgerstande auch im Ansehen zu einem Ansehen zu kommen! Gehe hinaus zum Schmiedemeister Hacker, der dich kennt und dir eben die von einem Schuldner zurückgezahlten 3000 Gulden schon gezeigt hat; er gibt dir seine Stieftochter, die Anna Pilz mit diesem Geld recht gerne; und mit 3000 Gulden lässt sich etwas machen».


Diese gewichtige, von der Mutter fast im Zorne vorgetragene Epistel hatte ich wirklich erwartet und erkannte, dass sie nicht Unrecht hatte. Aber alle Vorstellungen dagegen halfen nichts, denn ich erhielt immer die Weisung, mich bei der Anna Pilz zu melden.

     Nun dachte ich, den Versuch, einen Korb zu holen, kann ich wagen, damit Mutters Wille befolgt würde. Und falls meine Werbug nicht ungünstig ausfiele, wollte ich in Gottes Namen alles aus mir machen lassen. Am nämlichen Abend ging ich hin und bekam über meinen Antrag zum Troste für mein durch diesen sauren Gang beschwertes Herz einen Korb mit der Äusserung, dass ich ihr lieb und wert sei, sie meine Werbung sehr freue, sie aber ohnehin auch den Jakob zum Liebhaber besitze, von dem sie schon sehr viel Gutes genossen und (58) er ihr das Heiraten versprochen habe, und dass es doch Unrecht wäre, ihn zu verlassen.

     Oh, wie war ich über diese Abneigung heimlich erfreut. Mir fiel es wie ein zentnerschwerer Stein vom Herzen, und ich dankte dem lieben und mir so barmherzigen Gott dafür aus innigster Seele. Am nämlichen Abend ging ich noch zu Anna Knölly und nach mehreren Gesprächen wünschte ich, den nächsten Abend mit ihr allein sein zu wollen, da ich ihr unter vier Augen etwas Wichtiges zu eröffnen habe.


     Nächsten Abend, Donnerstag, den 9. Dezember 1829, nahm sie den Vorwand, eine alte Freundin, Hofratswitwe von Moshart, zu besuchen. Und da ich nun fest entschlossen war – komme, was da wolle –, der Anna Knölly meinen innigsten Wunsch, nur mit ihr durch dieses Erdenleben gehen zu wollen, zu erkennen zu geben, wanderten wir in schönster Mondnacht bei grimmiger Kälte über das Glacis. Die bange Erwartung meiner zu eröffnenden Wichtigkeit machte uns beide warm, und ohne viel Umschweife bat ich dringend um ihre Hand. Dass ich schon ihr Herz besässe, glaubte sie mir, seit mehreren Tagen einbilden zu dürfen.

     Oh, wie viele Einwendungen hatte sie aber dagegen, sie wolle überhaupt nicht heiraten; ihre Armut und das vorgerückte Alter hielten sie davon ab, auch habe sie Anträge als Industrielehrerin in Deutsch-Landsberg, als Pfarrers Köchin in Stainz oder wieder bei der Fürstin Rosenberg als Köchin einzutreten, wo sie überall ein sorgenfreies Leben führen könne.

     Als sie siebzehn Jahre alt war, kam sie in Deutsch-Landsberg zur dort wohnhaften Stiftsdame, Fräulein von Sailer, als Gesellschafterin, und diese Dame habe ihr versprochen, in ihrem Testamente ihrer zu gedenken. Nach allen vernünftigen Weigerungen der Anna Knölly quälte mich die Furcht, ob ich wohl ein wertvolleres Geschöpf je zu finden imstande wäre, und ich hörte nicht auf, um ihr Jawort zu bitten, bis ich es zu meinem unaussprechlichen Glücke erhielt, worauf wir dann beim damaligen Gartnerwirt nächst der Waisenhauskaserne bei einem Glas Wein unsere Verlobung feierten.

     Am 20. und 25. Dezember führte ich die Auserwählte bei meinen Eltern auf, wo sie von allen mit schiefen Blicken und kalter Höflichkeit aufgenommen wurde. Ich musste Anna trösten, dass meine Angehörigen von ihr eine bessere Meinung haben werden, sobald sie ihren hohen Wert erkennen würden.

     (59)  Inzwischen zog ich meinen Mentor und alten Freund Hernegger zu Rate, welcher bei Aufführung meiner Verlobten meine Wahl billigte und sich mit seiner Beredtsamkeit bei meinen Eltern um deren gütliche Einwilligung verwendete.

     Ich und Anna unternahmen am 28. Dezember 1829 zu Fuss eine Reise nach Deutschlandsberg in der Absicht, bezüglich der von Fräulein von Sailer der Anna gegebenen Zusicherung einer allfälligen Beisteuer zur Heirat oder eines Legats Ansprache zu pflegen. Doch, je näher wir kamen, desto weiter entfernte sich unser Entschluss, dem ehrwürdigen Fräulein von Sailer die Ursache unseres in so stürmischem Schneegestöber und strenger Kälte unternommenen Besuches vorzubringen.

     Doch wir wurden sehr gut aufgenommen, und mit Glücks- und Segenswünschen wieder entlassen. Ganz erschöpft am 30. Dezember abends in Graz wieder angekommen, statteten wir am 1. Jänner 1830 bei meinen Eltern wieder einen Besuch ab, wobei über meine Verehelichung nochmals sehr wichtig und nachdrücklich debattiert wurde. Ich erklärte ihnen, dass sie sich in Anbetracht aller vorzüglichen Eigenschaften dieser Anna keine bessere Schwiegertochter wünschen könnten.

     Durch eifrige Mitwirkung des Anton Hernegger, der den hohen Wert der gemütsreichen Anna erkannte, erhielt ich am 3. Jänner die volle elterliche Einwilligung, wonach wir mit den Beiständen, Anton Hernegger und Valentin Knaupert, am 13. Jänner in den Pfarrhof zu St. Andrä zum Vorsprechen gingen und am 17. Jänner das erste Aufgebot von der Kanzlei erfolgte.     

     Als ich bei den alten Eltern meiner lieben Braut um ihre Hand warb, wollte die gute alte Frau besonders einwenden, dass Anna nicht zur Karlauer Fürstin, wie meine Mutter wegen ihrer ausserordentlichen Korpulenz allgemein hiess, wohl nicht passe. Doch meine unendlich geliebte Anna wusste alle Einwendungen zu entkräften.

     Der Besitzer des Gasthauses zum Apostel-Saal war als gewesener Bindergeselle namens Hollenstein mit mir sehr gut bekannt. Noch ledig seiner Wirtschaft stand die Schwester, verehelichte Painer, vor. Und damit unsere Hochzeit in diesem grossen Saale bei Gelegenheit eines öffentlichen Balles stattfinden könne, wollte ich mit Hollenstein früher akkordieren, aber er versicherte, dass er mich als seinen guten Freund nicht überhalten und recht billig bedienen werde.

     (60)  Sonderbar war es, dass es bei allen in Angelegenheiten unserer Ehe unternommenen Schritte heftig schneite. In der Wohnung des Herrn Knölly war die Zusammenkunft aller Hochzeitsgäste, und zwar 18 grosse Personen und 8 Kinder. Die arme Braut hatte ihren Anzug und Schmuck von der Freundin Kajetan Weisensteiner entliehen, und ich hatte geflickte Stiefel, dann den nämlichen Rock an, in welchem ich Geselle, dann Bürger und Meister wurde.

     Wir waren zufrieden, wenn wir uns nur ehelichen konnten. Meine Eltern hatten zur Bestreitung der Hochzeitstafel Kapauner, Indianer, Kalb- und Schweinefleisch samt Mehl und Schmalz zu Krapfen beigestellt. Sonach hatte der Wirt bloss die Zubereitung und den Wein zu besorgen.



Am 31. Jänner 1830 war nun der glückliche Tag unserer Hochzeit, unserer beiderseitig ersehnten Verbindung. Nachdem von beiden Eltern mit Weihwasser erhaltenen Segen ging der Zug unter eben wieder begonnenem Schneien zur Kirche.

Der früher bezeichnete Garnisonskaplan Kukenschinig hatte seinem Versprechen gemäss die Kopulation vollzogen, und dabei eine durchdringende Rede gehalten, dass kein Auge trocken blieb. Die arme Anna weinte zum Erbarmen, ich aber biss die Zähne fest zusammen, dass mir keine Träne kommen sollte, sodass der Kaplan sogar bemerkte, dass ich ungerührt blieb, und in seiner Rede Anspielung darauf machte.
.

Samstag, 16. Januar 2010

22. Meine Zukünftige

     Einst, während meiner Abwesenheit von der Werkstatt, übergab ein Mädchen aus der Nachbarschaft – in der Meinung, hier sei ein Tischlergeselle – dem Gesellen eine Strickrahme zur Reparatur. Ich wusst nichts davon, der Geselle aber vergass darauf, und so blieb die Rahme liegen. Als die Nachbarin wieder kam, dieselbe abzuholen und ich eben ohne den Gesellen anwesend war, bat sie etwas befangen um baldige Herstellung der Rahme, da dringende Bestellung von Stickereien gekommen seien. Ich versprach, die Reparatur sogleich zu besorgen.

     In der Meinung, eine galante Redensart anzubringen, sagte ich noch: «Sie werden einmal einen braven Mann bekommen», und ohne hierauf irgendetwas zu erwidern, ging sie errötend eilig fort.


Nach mehreren Tagen bemerkte ich sie meiner Werkstätte gegenüber am Fenster eifrig an der inzwischen restaurierten Stickrahme arbeiten und erbat mir gleich vor ihrem Fenster die Erlaubnis, die Stickerei, wenn sie angefertigt ist, in Augenschein nehmen zu dürfen. Als ich deshalb nach einiger Zeit in die Wohnung ihrer Eltern kam, bemerkte ich hier wohl die höchste Einfachheit und Ärmlichkeit. Ihr Vater, Paul Knölly, ein noch rüstiger Greis von 78 Jahren, war als Brief- und Zeitungsausträger bei der kleinen Post beschäftigt. Die Mutter war eine von Kummer und Entbehrung gebeugte, 63 Jahre alte Frau. Aber noch eine 19jährige Tochter, Marie, war vorhanden, schön frisch, kerngesund und gesellig. Obwohl die an der Stickrahme emsig beschäftigte Anna bereits im 29. Jahre stand, sehr hager und nicht besonders schön war, so fühlte ich mich doch aus begreiflichen Gründen dieser mehr zugeneigt; denn sie hatte einen unerklärlichen, besonderen Liebreiz, und aus ihren schmachtenden Blicken wähnte ich die reinste, himmlische Seligkeit zu schauen.

     (55) Und so entspann sich eine nachbarliche Freundschaft zwischen uns dreien. Beide Schwestern waren wirkliche Juwele weiblicher Zartheit, Herzensgüte, Innigkeit, reiner Sitte und schwesterlicher Zuneigung. Ich machte den stillen Beobachter und hatte hier Gelegenheit, bei Spaziergängen mit diesen holden Geschöpfen, die aus den Äusserungen des erwähnten jungen Bindergesellen Peter mir im Gedächtnis gebliebenen Andeutungen aus Lavaters Physiognomik zu erforschen. Jetzt erst erkannte ich den himmlischen Unterschied und Abstand der Deutungsart und Benehmungsweise zwischen dieser zart und innig fühlenden Anna Knölly, dem derben Klotze Pepi Rosenholz und der träumerischen Anna Pilz. Und während die Mädchen bei Frau Fels in Wien stets in jugendlichem Mutwillen und heiteren Genüssen dahinlebten, lernte ich hier in Anna Knölly eine Perle echter Weiblichkeit und höchstem Seelenadel kennen. Da ich aber mit beiden Schwestern gleich artig war, so wusste keine zu bestimmen, welcher ich den Vorzug gab.

     Die holde Anna hatte mir treuherzig erzählt, dass sie seit ihrem 13. Lebensjahre im Dienste war, in Fidau Slovenisch lernte, schon mehrere, mitunter annehmbare Werber gehabt, und zuletzt bei der Fürstin Rosenberg in Freudenau in Untersteier als Köchin in Ansehen stand. Dort wurde sie aber von einem hartnäckigen Fieber befallen, und ist auf ärztliche Anregung zur Luftveränderung ausgetreten. Sie verblieb einige Zeit bei der mit dem bischöflichen Kammerdiener Grimmer zu St. Andrä in Kärnten verheirateten Schwester Constanze. Am 1. September 1829 kam sie in noch kränklichem Zustande von dort zurück und erhielt die Stickerei für die dortige Domkirche bestellt.

     Unweit des Schlosses Freudenau an der Pfarre Abstall war ein lebenslustiger Kaplan, namens Ignaz Kukenschinig. Dieser hatte der herrschaftlichen Köchin Anna Knölly versprochen, sie, wenn sie einst heirate, zu kopulieren.

     Er kam nachher als Garnisonskaplan nach Graz und bestellte für sich eine Stola, die reich mit Blumen verziert sein sollte.

     Aus nachbarlicher Freundschaft war ich der fleissigen Anna bei Zusammenstellung der zu stickenden Girlanden behilflich. Die Stola wurde ein Meisterwerk. Für diesen Kaplan hatte Anna dessen Leibwäsche, dann Decken und Leintücher teils neu zu machen, teils zu reparieren. Inzwischen hatte die Kammerjungfer der Fürstin Rosenberg, Antonia Kröpfel, eine gewesene Novize des Nonnenklosters in Klagenfurt, wegen (56) grossem Hang zu weltlichen Freuden von dort durchgegangen, bei der Anna Kölly mehrere Stickereien angeblich für das Kloster in Klagenfurt bestellt. Als letztere einst mehrere Wäschestücke an den Kaplan ablieferte, zeigte er ihr einen Beutel mit hundert Dukaten und sagte, er müsse sparen, dass er, wenn er einmal Pfarrer werde, zum Antritte Vermögen habe. In seiner Neigung, Anna wisse von dem zwischen ihm und Antonia Kröpfl bestandenen und noch bestehenden Liebesverhältnisse, zeigte er der Anna viele Briefe der Toni, und in jedem stand: «Lieber Ignaz ...!!!» Wie war Anna erstaunt, als sie hier alle ihre angeblich für das Kloster in Klagenfurt gemachten Stickereien sah. Beide Verliebten wussten im Schlosse Freudenau, wo er täglich Zutritt hatte, ihre Vertraulichkeiten so geheim zu halten, dass die Köchin Anna nichts wahrnehmen konnte.


     Als ich Anna Knölly das erste Mal erblickte, empfand ich eine wonnevolle Erregung in der Gegend meines Herzens, ein unerklärliches Etwas zog mich an diese holde Erscheinung, und Kopf und Herz flüsterten mir fortwährend zu: «Diese wird Deine Braut, Deine Gattin, Deine Lebensgefährtin.» So oft ich bei meiner Werkstätte aus- und einzugehen hatte, konnte ich es nicht unterlassen, einen möglichst freundlichen Blick an ihr Fenster zu werfen, wo sie von morgens bis abends bei der Nadel sass.

     Auch ihrem Herzen drohte eine geheime Ahnung; sie hielt es für unmöglich, nicht nach mir zu blicken, wobei sich dann unsere Blicke begegneten.

     Es war Sonntag, der 27. März 1829, als ich von ihr aus ihrem Fenster die für mich erfreuliche Einladung erhielt, ihre vollendete Stickerei zu besehen, welchen Hochgenuss, in ihrer Nähe zu sein, ich gleich unternahm.


     Ein gewesener Schulkamerad, Josef Zeidelmaier, war nun bei seinem Stiefvater, Lang, Kotzenmacher. Josef war ein guter Sänger und Guitarspieler. Wir hatten uns bei mir manchen Abend bei Flötenspiel, Guitar und Gesang gut unterhalten. Und die zwei Schwestern, Anna und Maria, erhielten von ihren Eltern Erlaubnis, an diesen Unterhaltungen teilzunehmen. Bei solcher Gelegenheit entbrannte Zeidelmaier in Liebe zur hübschen Maria, und wir machten sonntags gemeinschaftliche Spaziergänge.

     (57) Das seelenvolle Auge, die samtweiche Hand und die innigste Zutraulichkeit des wahren Engels Anna hatten mich vollständig bezaubert. Obwohl sie, wie sie erzählte, durch vier Jahre bei ihrer Schwester Plank in Deutsch Landsberg alle Feld- und Gartenarbeit mitmachte, hatte sie feine Hände und zierliche kleine Füsse.

     Durch näheren Umgang mit ihr hatte ich ihr feines Wesen und ihren Reichtum an Geist, Gemüt und Herzlichkeit erkannt, und nahm mir fest vor, wenn möglich, dieses unvergleichliche Wesen an mich zu fesseln.
.

Freitag, 15. Januar 2010

21. Der damische Mandl - Heiratsabsichten

(50)  Von der Murvorstadt weg bezog ich ein Lokal nebst Wohnung in der Feuerbachgasse beim Lebzelter Josef Mandl. Diesen kannte ich von der Normalschule als einen guten Kerl, der jetzt aber, im Gefühle seines Ansehens als Fidei-Comiss-Besitzer – wie man sagt – sehr obenaus und übermütig war, und nur mit Durchsetzung eines ränkevollen Prozesses in den Genuss dieses Fidei-Commisses kam.


     Von den Narrheiten dieses Mandl liesse sich ein dickes Buch schreiben. Er heiratete die jüngste Tochter des Büchsenmachers Schreiber in derselben Gasse, ein in der Hauswirtschaft höchst unerfahrenes und nur in Romanen träumendes Geschöpf. Er hatte zwei Gesellen, eine Kindsmagd, ein Ladenmädchen und einen Hausknecht, welche Leute fast gar nichts zu tun hatten. Dann hatte er immer vier bis sechs Arbeiter im Küchengarten, die das zeitige Gemüse, wo arme Familien wochenlang zu leben gehabt hätten, in die Düngergrube werfen und wieder neu stechen und pflanzen mussten. Mandl hatte ein junges Pferd, strapazierte dasselbe vormittags mit Reiten und nachmittags mit Fahren. Der Hausknecht musste oft mich, den nächsten Schlosser Lerk, Tischler Knotz und viel andere sehr dringend zu äusserst nötigen Arbeiten im Keller zusammenberufen. Mandl sperrte dann innerhalb zu und wir mussten trotz aller Proteste essen und trinken, was wir konnten.


     Je mehr Jux und Lärm entstand, desto behaglicher und fröhlicher fühlte er sich und liess die Zecher nicht früher fort, bis er sie selbst vor Rausch nicht mehr erkannte. Oft nahm er bei seinen Ausfahrten mich und mehrere Bekannte mit, die er immer bei den grössten Gelagen zechfrei hielt und war überglücklich, wenn es nur recht Spektakel gab. Kam Mandl in ein Gasthaus in der Stadt, so brachte der Kellner, der ihn schon kannte, Wein, Bier, Brot, Würste und Käse im Überflusse, denn wer nur da war, musste bei Vermeidung der Ungnade und Grobheiten zugreifen und sichs schmecken lassen.

     Stand er mit Lebzelterwaren bei den Kirchtagsfesten, so benahm er sich dort gegen die ländlichen Schönen auf das Schamloseste. Wenn er dafür auch vom Verkaufsstande weg geholt und mehrere Stunden im Arrest angehalten wurde, so lachte er darüber, hatte er doch seine närrischen Streiche ausgeübt. Kam aber während des Teilhabens ein Regen, so war Mandl wütend, fluchte und schimpfte unbändig wie der roheste Bengel, packte die Lebzelterwaren samt Plache, warf alles in die Warenkisten und trat und stampfte darauf herum wie ein  (51)  Besessener, ohne zu achten, welchen Schaden er hatte.

     Nach drei Jahren dieses wüsten Lebens hatte er schon solche Not, dass seine Gattin beim Mangel eines Dienstboten um dreiviertel auf zwölf ein Kind auf der Strasse ansprach, vom Greissler vier Lot Schmalz zu holen, damit sie das bescheidene Mittagsmahl fertigmachen konnte.

     Aus der erfolgten Sequestration des Fidei-Commiss-Gutes, wozu auch das Haus neben dem Kaufmann Koch am Hauptplatze gehörte, erhielt Mandl nebst Verpflegung für seine Person noch täglich einen Silberzwanzger. Die Gattin kam ins Elternhaus zurück, und nach dem, durch Sauferei und bald erfolgtem Tode des damischen Mandl, kam das Fidei Commiss an den Lebzelter Mandl Johann, da laut Fidei-Commiss-Urkunde der Besitzer nur ein gelernter Lebzelter und geborener Mandl sein musste.

     Nach dieser kleinen Abweichung von meinen eigenen Angelegenheiten muss ich doch wieder meine Heirats-Affairen besprechen. Wie es in solchen Fällen schon geht, waren mir von verschiedenen Seiten Partien angeraten worden.


     Zum Gastwirt Schauer anfangs Karlauerstrasse, wohin ich oft mit meinen Eltern kam, ging auch ein pensionierter Hauptmann, namens v. Beck, mit seiner Nichte, die sechstausen Gulden Vermögen hatte. Die Wirtin Schauer drang sehr in mich, diese Reiche nicht auszulassen, da der Alte ihrer Obsorge überdrüssig und sie mir zu geben willens sei. So viel Einsicht hatte ich aber doch, dass eine Adelige nicht für einen armen Binder passt. Ich hatte zwar immer noch den herzigen Käfer, die Wagnerstochter Pepi Schwarzmann, in seliger Erinnerung und hatte auch der Frau Fels eine kleine Andeutung brieflich zugesendet, jedoch, wie schon so oft gesagt, fehlte mir immer die Redegabe, und der Mut, um Ernst zu machen, obwohl ich die Schwarzmann bisher als die Solideste kannte.

     An einem Sonntag früh erhielt ich von meinen Eltern die Weisung, Punkt zehn Uhr zum Floriani-Wirt zu kommen, um dort die mir bestimmte Zukünftige in Augenschein zu nehmen und das Weitere zu besprechen, da von Hitzendorf eine Schulmeisterstochter mit ihren Verwandten und um diese Stunde auch meine Elter dahin kämen.

     (52)  Ich erkundigte mich aber dort viel früher und machte unerkannt die Bemerkung, dass die eben ankommende Hitzendorferin wegen ihrer grossen Schönheit und den leidenschaftlichen Blicken im Gegensatz zu meiner Schüchternheit und Unerfahrenheit meine Partie nicht sein könne. Ich machte mich vor Ankunft meiner Eltern aus dem Staube, liess die Gesellschaft vergeblich warten und hatte dafür nachträglich scharfe Verweise zu erdulden.

     Mir selbst war es gerade nicht darum zu tun, verheiratet zu sein, doch wegen der eigenen Wirtschaftsführung war mir eine einsichtsvolle Ehegattin höchst wünschenswert.


     Beim Goldenen Ross in der Maria-Hilfer-Gasse war eine fesche Köchin, die mir auch mehrseitig als gute Partie mit einigen hundert Gulden angeraten wurde. Da sie aber sehr lebenslustig war und den gegenüber befindlichen Schmiedsohn Leistentritt, welcher während seiner Tierarztstudien in Wien sich auch mit der erwähnten Johanna Seidnitzer unterhielt und ein bekannter Don Juan war, mit einem Mädchen beschränkte und ich im ganzen Wesen der Köchin ein zu leichtfertiges, schnippisches Benehmen bemerkte, so wollte ich mich da gar nicht der Gefahr eines Korbes aussetzen. Sie heiratete dann den erwähnten Schmied Horitzer, einen Böhmen, führte mit ihm im eigenen Hause nächst dem sogenannten Weissnegerhofe gute Wirtschaft, hatte aber aus extra Barmherzigkeit immer Gesellschaften aus dem Barmherzigen-Kloster bei sich.

     Mein alter Freund Hernegger hatte zur Kundschaft auch eine Bäckerstochter aus Obersteier, welche in Graz lernen sollte, was eine bürgerliche, tüchtige Hausfrau benötigt. Hernegger machte mich auf diese Anna aufmerksam und es wurde verabredet, dass er samt Frau und Anna nächsten Sonntag in den Garten zum Johanniswirt in Münzgraben gehen werde und ich dann wie zufällig dahin kommen sollte.

     Da hatte ich nun die beste Gelegenheit, die Anna zu beobachten. Ja, sie war hübsch, in jugendlicher Fülle, voll gewinnender Freundlichkeit, mit herzigen Grübchen in den Wangen, doch aus ihrem sehr gesprächigen Schnabel kamen mitunter sehr zweideutige Wendungen, die vermuten liessen, dass sie an Bekanntschaften keinen Mangel gehabt und sich dann als Gattin manche Freiheiten erlauben dürfte; (53) denn sie wusste vom flatterhaften Bäckermeister Egel sehr viel zu erzählen und hatte somit sehr leichte Grundsätze.

     Ei, dachte ich mir wie bei der Hitzendorferin, ich sollte dann fleissig arbeiten, mich scherren und rackern, während die saubere Gattin auf meine Kosten sich von Schmetterlingen umflattern liesse. Das gibts nicht! Und da ich den Abgang an Kraft fühlte, gegen weibliche Übergriffe energisch auftreten zu können, so leitete mich mein guter Stern aus diesem Zauberkreise.

     Nachträglich erzählte mir der über fünfzigjährige Johann Mierender, Lerchenwirt am Griesplatze, dass er auch Heiratsabsichten mit dieser Anna hatte, jedoch rechtzeitig gewarnt wurde, und mich sehr bedauert hätte, wenn ich aufgesessen wäre.


     Der früher in der Karlau und nun am Gries etablierte reiche Bäckermeister Walenta, ein Tscheche, hatte eine viel jüngere Schwester bei sich, die war klein und vernünftig, in häuslichen Wirtschaftssachen kenntnisreich, flink, unermüdet, arbeitsam und hatte durchaus im Sinne, mich mit ihrer Liebe zu bestricken. Ich hatte für Walenta die Binderarbeiten zu besorgen und damit die Möglichkeit, dass die kleine Böhmin nur recht oft zu mir kommen konnte, weil im Hause Walenta bald Schaffl, Zuber, Bottich oder sonstiges Gefäss schadhaft und reparaturbedürftig war. Und da ich Walenta von Kindheit her kannte und er mir sehr geneigt war, hätte ich hier keine schlechte Partie machen können, aber ich konnte mich für diese böhmische Landschaft nicht begeistern.

     Mit einem Kollegen aus der Normalschule, Josef Wadiach und Mathias Pilz, hatte ich die Kameradschaft fortgesetzt. Ersterer war als gelernter Maurer nun gut angestellter Zeichner bei einem Baumeister und Letzterer war Schmiedegeselle bei seinem Stiefvater Hacker am untern Gries. Die Schwester des Mathias Pilz, auch namens Anna, hatte auch alles Nötige für eine Hausfrau gelernt, war nicht übel aber beschränkten Geistes, sehr putzsüchtig und nicht haushälterisch, und hatte unter mehreren Verehrern sich den Wirtsohn Rauch als Erwählten erkoren. Und da ich sehr oft ihren Bruder besuchte, und Herr Hacker wusste, dass ich eine Gattin benögigte, zeigte er mir die Vermögens-Ausweise der Anna Pilz per dreitausend Gulden, wenn ich zugreifen wollte.

     (54)  Obwohl ich ihr in nur nachbarlicher Freundschaft nicht abgeneigt war, ihr eigenes Vermögen mir sehr angenehm gewesen wäre und ihr nach ihrer drei Häuser mit grossen Gärten besitzenden Tante Schnitzer vulgo Lakenhiaslin einst auch eine hübsche Erbschaft in Aussicht stand, so konnte ich mich doch nicht entschliessen, mit dieser Anna Pilz eine ernstliche Verbindung anzuknüpfen.
.

Donnerstag, 14. Januar 2010

20. Flucht - Gscheiter als der Vater - Meister mit 20

    Um drei Uhr früh gingen meine Eltern in Handelsgeschäften aufs Land, und um vier Uhr früh begehrte eine Patroullie Einlass, indem sie gewiss wüsste, dass ich in dieser Nacht nach Hause gekommen sei.

     Meine Schwester Marie, die von meiner Ankunft nichts wusste, diskutierte mit den mich am Boden suchenden Gerichtspersonen, während ich mich am Dache hinter dem Rauffange dukte; und die Kommision musste leer abziehen. Ich sagte dann der Schwester, dass ich mich in die Eggenberger Allee begeben werde und stieg über unseren und des Nachbars Zaun, schlich über die Wiesen und Felder fort ins Freie. Und da zum Besitze und Betriebe des für mich angekauften Bindergewerbes meine Grossjährigkeitserklärung nötig war, kam mein Vater nach und ging mit mir in die Kanzlei zu Eggenberg als Vormundschaftsbehörde.

     Auf die Frage des Rentmeisters Johann Nepomuk Weber, ob ich wohl zur eigenen Vermögensgebahrung die nötigen Kenntnisse besitze und Fähigkeiten dazu habe, sagte mein Vater: «Mein Sohn ist gescheiter als ich selbst!»

     (48)  Ich hatte bisher wohl erstaunlich viel gelesen, war von der Normalschule her gut unterrichtet und aus Büchern in der Länderkunde sehr erfahren, sowie zum Betriebe meiner Profession vollständig kundig. Was aber nötig war, eine selbständige Häuslichkeit zu begründen und zu behaupten, das mussten erst Zeit und Umstände lehren. Spät abends gingen wir zu dem erwähnten Anton Hernegger, Wäscher am unteren Grazbach, wo ich 14 Tage in Verborgenheit lebte und in dieser Zeit beim Wäsche Rollen und Bügeln fleissig geholfen habe.

     Mittlerweile wurde die Grossjährigkeitserklärung erledigt und ich an den Besitz des Realgewerbes geschrieben, und erst jetzt durfte ich aus meinem Verstecke hervorkriechen und mich wieder ohne Anstand auf die Gasse wagen.

     Ein Abenteuer während meines Exils beim Hernegger sei hier erwähnt: Dessen Arbeitsleute hatten eines Abends sehr viel zu bügeln und dabei sehr viel Durst, aber niemand hatte Zeit, einen Trunk zu holen. Es war stockfinster und ich wagte es, zum nächsten Gasthause um Bier zu holen. Kaum zehn Schritte entfernt erscholl ein furchtbarer Ruf: «Halt wer da?» Bald hätte ich vor Schreck den Krug fallen lassen und ich glaubte, entweder die geheime Polizei oder der Teufel hat mich schon am Kragen. So viel Geistesgegenwart hatte ich aber doch «gut Freund» zu antworten, wonach ich frei passieren konnte. Am Rückwege jedoch wurde ich wieder angeplärrt. Die Sache erhielt ihre Aufklärung dadurch, dass dem Wäscher gegenüber eine dem Militär als Wagenremise verpachtete Hütte nur des nachts von Soldaten bewacht wurde, bei Tage aber keine Schildwache dort stand. Ich hatte nun die Winkler'sche Binderwerkstätte samt allen Werkzeugen und dem Gesellen Jakob Matzer in der Kurvorstadt, dem Elefanten gegenüber übernommen, und musste sogleich ein zwanzigeimriges Fass als mein Meisterstück in die Arbeit nehmen. Zugleich mit den Bindern Johann Zorn auf der Lend und Anton Mauchart im dritten Sack wurde ich –  erst zwanzig Jahre alt – Meister, und bald darauf mit den Kürschnern Gottschaber und Auss, auch Bürger, wonach ich auch wieder dem neu errichteten uniformierten Bürger-Korps beitrat.

     Meine Eltern haben einstweilen mich samt Gesellen und dem Lehrbuben mit der nötigen Kost versorgt, jedoch auch gedrängt, mich um eine reiche Braut umzusehen, mit deren Vermögen ich ein Haus kaufen könnte.


     (49)  Ich hatte zwar das platonische Herzensverhältnis mit der benannten Reinhold Pepi fortgesetzt, obwohl ich infolge der zwischen den beiderseitigen Eltern herrschenden Abneigung kein Resultat erhoffen durfte, und den Wankelmut der Pepi kannte. Denn sobald die von ihren Eltern begünstigten Freier, der Weissgärber Hoffmann und der Schmiedemeister Thomas Horitzer – jeder über vierzig Jahre alt – ihr den Hof machten, brach sie mit mir das Verhältnis ab, in der Meinung, bei anderen eher unter die Haube zu kommen, als bei mir. Und als ihre Heiratsprojekte in Nebel zerfielen, war ich verblendet genug, ihr noch weiter den Narren abzugeben und konnte sehr böse werden über solche Personen, die ihr näher waren, ihren Karakter kannten und über sie wenig Gutes zu sagen wussten.

     Mein Vater war so gutmütig, sonntags vier Uhr früh die eigene einspännige Gelegenheit in Stand zu setzen, wenn ich um sechs Uhr früh wieder mit der dicken Pepi eine kleine Lustfahrt machen wollte. Da fuhren wir beide auch am 29. Juni nach St. Peter bei Graz und sahen dort auch den Schmied Horitzer.


Als wir am Gasthause weg- und zurückfuhren, riefen uns mehrere Leute nach, dass ein hinteres Wagenrad sogleich von der Achse sich löse. Ich suchte eine Strecke weit zurück nach der verlorenen Achsschraube und hatte Verdachte, auf den Schmied Horitzer, dass er während wir in der Kirche waren, aus Eifersucht in boshafter Weise die Schraube abgenommen habe, damit wir, wenn das Rad abginge, aus dem Wagen fallen sollten.

     In St. Peter war kein Schmied zu Hause, um eine andere Schraube herzugeben und wir mussten langsam bis zur Reitschulgasse, wo wir beim dortigen Schmied eine passende Schraube um dreissig Kreuzer erhielten. Dann konnten wir erst richtig weiterfahren.

     Zu meinem Glücke fielen mir rechzeitig die Schuppen von den Augen, als der taube fünfzigjährige Schmiedmeister in der Karlau als neuer Freier auftrat und ich ihr dann ernstlich für immer entsagte. Da erkannte ich, dass ich mit der Pepi, die ein besonders dickes, fettes Genick hatte, wohl nicht glücklich werden könnte.
.